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Denkmal für Hurbinek - Ein Memorial

Denkmal für Hurbinek - Ein Memorial

Diese Veranstaltung ist schon vorbei

Wann:

  • Sa 1. Sep ’18, 11:00 – 21:00
  • Sa 8. Sep ’18, 11:00 – 21:00
  • Sa 15. Sep, 11:00 – 21:00
  • Sa 22. Sep, 11:00 – 21:00
  • So 30. Sep, 11:00 – 21:00

Wo:

Galerie Kunstlabor, Paul-Sternberg-Weg 43, 14. Penzing

Altersbeschränkung:

Alle Altersklassen

Ticket Information:

  • Eintritt frei

Primo Levi (1919 - 1987) war ein Überlebender des Vernichtungslagers Auschwitz. In zahlreichen seiner Bücher und autobiografischen Berichte sind das Undenkbare und das Unvorstellbare als Zeugnisse des Grauens festgehalten.

Kurz nach der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee wurden sämtliche Überlebenden der Außenlager von Auschwitz in das Hauptlager verlegt. So auch Primo Levi, der auf dem Lagergelände ein Kind entdeckte, dessen geschwächtem Körper trotz der Befreiung der Tod unmittelbar bevorzustehen schien. Primo Levi legte für dieses Kind Zeugnis ab, indem er in einem Text an dieses erinnerte. Es sind berührende und bedrängende Zeilen des Gedenkens.

Memory Gaps vereinigt Teile dieses weniger bekannten Textes von Primo Levi mit einer Tusche auf Papier zu einem digitalen "Denkmal für Hurbinek". Es soll auch und insbesondere an einen der grauenhaftesten aller Tatbestände unserer jüngeren Geschichte erinnern: die infernalische Ermordung von mehr als 1,5 Millionen Kindern während der Shoah. Kinder, deren Lebenszeit vielfach zu kurz war, um Zeugnis abzulegen oder Spuren zu hinterlassen, die herkömmliches personenbezogenes Gedenken ermöglichen.

Hurbinek

Primo Levi: "Hurbinek war ein Nichts, ein Kind des Todes, ein Kind von Auschwitz. Ungefähr drei Jahre alt, niemand wusste etwas von ihm, es konnte nicht sprechen und hatte keinen Namen: Den merkwürdigen Namen Hurbinek hatten wir ihm gegeben; eine der Frauen hatte mit diesen Silben vielleicht die unartikulierten Laute, die der Kleine manchmal von sich gab, gedeutet. Er war von den Hüften abwärts gelähmt, und seine Beine, dünn wie Stöckchen, waren verkümmert; aber seine Augen, eingesunken in dem ausgezehrten dreieckigen Gesicht, funkelten erschreckend lebendig, fordernd und voller Lebensanspruch, erfüllt von dem Willen, sich zu befreien, das Gefängnis der Stummheit aufzubrechen. Die Sehnsucht nach dem Wort, das ihm fehlte, das ihn zu lehren niemand sich die Mühe gemacht hatte, das Bedürfnis nach dem Wort sprach mit explosiver Dringlichkeit aus dem Blick …"
Hurbinek sprach immer wieder ein einziges Wort vor sich hin, das trotz der vielen im Lager vertretenen Nationalitäten und Ethnien, niemand verstehen oder übersetzen konnte. "Matisklo" und "Mass-klo" lauteten die Versuche Primo Levis, dieses Wort zu transkribieren.

"Matisklo"

"In der Nacht lauschten wir angestrengt: Tatsächlich, aus der Ecke, wo Hurbinek lag, kam von Zeit zu Zeit ein Laut, ein Wort. Nicht immer das gleiche, um genau zu sein, aber bestimmt ein artikuliertes Wort, oder besser, artikulierte Worte, die sich leicht voneinander unterschieden, experimentierende Variationen über ein Thema, eine Wurzel, vielleicht über einen Namen. … Nein, es war sicher keine Botschaft, keine Offenbarung: vielleicht sein Name, wen er je einen besessen hatte; vielleicht wollte er (nach einer unserer Hypothesen) »essen« sagen oder »Brot«, oder auch »Fleisch« … Hurbinek, der Namenlose, dessen winziges Ärmchen doch mit der Tätowierung von Auschwitz gezeichnet war – Hurbinek starb in den ersten Tagen des März 1945, frei, aber unerlöst. Nichts bleibt von ihm. Er legt Zeugnis ab, durch diese meine Worte."

Primo Levi: Die Atempause. (1994, verfasst 1947-48)

Memory Gaps ::: Erinnerungslücken zeigen eine Auswahl aus tausenden Tuschen auf Papier aus zehn Jahren. Sie stellen Schreie und Aufschreie von Opfern dar. Zum schmerzerfüllten Aufschrei geöffnete Münder und Kiefer. Abstrakte Darstellungen von Schreien in Ghettos, Konzentrationslagern und NS-Tötungsanstalten – gemalte Erinnerungskultur. Seit drei Jahrzehnten arbeitet die aus Heidelberg stammende und in Wien lebende Malerin Konstanze Sailer zu den Themen Antlitz, Schädel und Tod. Tusche auf Papier wurde als Technik gewählt, um der "Filigranität" jener "Papierstücke" nachzuempfinden, auf denen in Konzentrationslagern inhaftierte Künstler – zumeist im Geheimen – ihre Kunstwerke herstellten.

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